Der letzte Stroh-Korbflechter
Alte Handwerkskunst wird immer seltener, einige Berufsstände sterben langsam komplett aus. Deshalb findet man kaum noch Menschen wie Alfred Friedl, der im stolzen Alter von 77 noch immer Körbe und andere Geschenksartikel aus Stroh flechten. Weidenflechter gibt es in der Region einige, Stroh als Ausgangsmaterial verwendet nur er.
Der ehemalige ÖBB-Bedienstete hat sich in seinem Haus in Raning bei Gnas im Keller eine kleine Werkstatt eingerichtet, wo er fast täglich seiner schon fast ausgestorbenen Leidenschaft nachgeht. Wenn’s draußen warm und schön ist, sitzt Friedl lieber in seinem Garten, mit Blick über die sanften Hügel des Steirischen Vulkanlandes macht die Arbeit gleich mehr Spaß. Gelernt hat er sein Hobby, das zur Profession geworden ist, von seinem Ziehvater und Großvater, während seines Berufslebens hat er das Korbflechten jahrelang nicht ausgeübt. Erst in der Pension hat’s ihn wieder „gejuckt“.
„Stroh ist besser und dichter als Weide“, erklärt der Fachmann, weiß aber auch, dass er seinen Rohstoff fast nirgends mehr bekommt. „Ein Jahr lang haben wir versucht, es selber anzubauen - es muss mühselig per Hand mit der Sense geerntet werden - aber jetzt beziehen wir die Roggenruten wieder von einem Landwirt in Jagerberg.
Alfred Friedl ist sehr produktiv, sein Sortiment umfasst u.a. klassische Körbe unterschiedlicher Größe für Brot, Fleisch, Obst, Holz, Einkäufe, Wäsche, Besteck etc., aber auch kleine Dekokörbe, Serviettenringe, Strohvasen, Strohhüte und sogar einen Bikini(!). Friedl verkauft seine seltenen Stücke u.a. bei Hobbykünstlermärkten in Arnfels oder Leibnitz und das meiste regional ab Hof (Tel. 03151/8484). Durch Mundpropaganda hat sich sein Kundenkreis aber schon bis nach Kanada und Brasilien ausgeweitet. Sogenannte Exil-Raninger wünschen sich immer wieder seltene Handwerkskunst aus der Heimat.
„Obwohl es mir noch immer Spaß macht, ist die Arbeit sehr anstrengend und geht vor allem auf die Hände, Fingernägel und Gelenke“, sagt Friedl und zeigt seine ziemlich in Mitleidenschaft gezogenen Hände. Natürlich hat er sich Gedanken über eine Nachfolge gemacht, zumindest einer der beiden Söhne weiß, wie’s geht. „Ob er das Flechten dann auch irgendwann ausübt, kann ich nicht sagen“, ergänzt er. „Wenn aber jemand diesen Bericht liest und wirklich Interesse hat, diese Handwerkskunst ernsthaft zu erlernen, gebe ich mein Wissen gerne weiter. Aber mit ein paar Tagen Einschulung ist das nicht abgetan“, fügt er warnend hinzu.
Unterstützung erhält der 77-Jährige noch immer von Gattin Anna, die ihm vor allem bei der Strohvorbereitung hilft und so seine Kreativität fördert, weil er sich darum nicht so intensiv kümmern muss.
(Bericht: Guido Lienhardt)